Wer sind die Sahraouis?

Die Sahraouis sind die Bewohnerinnen der ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara, Angehörige und Abkommen der maurischen Nomadenstämme, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet lebten. Die Kultur der Sahraouis ist arabisch-islamisch, ihre Sprache ist ein dem Hocharabisch nahestehender Dialekt, das Hassania.

Bis in die 1960er Jahre lebten viele sahraouische Stämme noch als Nomaden von mobiler Tierhaltung (Kamele, Schafe, Ziegen) und transsaharischem Handel. Die Nomaden durchwanderten Wüstengebiete und betrieben, wo es möglich war, auch Ackerbau. Während der Regenzeit bauten sie für einige Monate Getreide (Gerste) an und zogen nach der Ernte weiter. Mit der Kolonisierung begann die Bevölkerung zunehmend sesshaft zu werden und in den Phosphatminen und in der spanischen Kolonialverwaltung zu arbeiten.

Im Winter 1975/76 besetzte die Armeen von Marokkko und Mauretanien das Gebiet der Westsahara. Die sahraouische Bevölkerung flüchtete, erst in Landesinnere, und nach Bombardierungen mit Napalm und Phosphor durch die marokkansiche Luftwaffe, über die Grenze nach Algerien, in die Gegend von Tindouf.

In den Flüchtlingslagern bei Tindouf in der westalgerischen Wüste leben 165'000 Menschen, viele von ihnen Frauen, Kinder und alte Männer. Die Sahraouis haben ihr Leben dort stets als Übergangssituation begriffen, gleichzeitig aber auch als Ausgangspunkt genommen für den Aufbau eines eigenen Staates. Unter härtesten klimatischen Bedingungen und in einer Situation grossen Mangels haben sie in den Lagern Institutionen und öffentliche Dineste geschaffen, insbesondere ein Gesundheits- und Schulwesen,  das als beispielhaft gelten kann.

In den von Marokko besetzten Gebieten leben heute noch etwa 80'000 Sahraouis unter schwierigsten Bedingungen. Die polizeilichen Repressionen gegen die sahraouische Bevölkerung wird noch verstärkt durch eine marokkanische Besiedelungspolitik, die Zehntausende von Marokkanern in die Westsahara brachte, mit dem Ziel, die verbliebenen Sahraouis zur Randgruppe in ihrem eigenen Land zu machen.

 

(Bäschlin/2011)